Bayer-Aktionäre stimmen gegen den Vorstand wegen Monsanto-Deal

Auf der Hauptversammlung in Bonn stimmten 55,5 Prozent gegen den Vorstand, angeführt von dem umkämpften CEO Werner Baumann, mit nur 44,5 Prozent der Aktionäre - ein massiver Rückgang gegenüber 97 Prozent im Vorjahr.

Das Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht für Baumann und sein Managementteam: Obwohl die Abstimmung keine direkten Konsequenzen hat, ist sie eine klare Aussage von verärgerten Aktionären.

Rund 500 Demonstranten versammelten sich vor dem Bonner Konferenzzentrum mit Plakaten, die das Bayer-Unternehmensmotto "Wissenschaft für ein besseres Leben" verspotteten oder dazu aufriefen, "Glyphosat", das von Monsanto hergestellte Herbizid, im Zentrum des Leidens der Gruppe zu stoppen.

Im Inneren schäumten die Investoren. "Bayer hat an Monsanto erstickt", sagte Ingo Speich von der Deka-Bank. "Die Firma riskiert die Übernahme und Demontage." Mark Tuemmler vom DSW sagte, 2018 sei "ein Alptraum für die Aktionäre".

" Ein Skandal".

Der Kurs der Bayer-Aktie sank im vergangenen Jahr um rund 40 Prozent, nachdem sie im Juni 63 Milliarden Dollar von Monsanto übernommen hatte - die größte in der deutschen Geschichte. Mit 57 Milliarden Euro ist die Marktkapitalisierung kaum höher als der Preis, den sie für die Übernahme von Monsanto gezahlt hat. "Ein Skandal", sagte Tuemmler.

Baumann bestätigte zu Beginn der Sitzung, dass rund 13.400 US-Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat und erste ungünstige Urteile gegen Bayer "unser Unternehmen stark belasten und viele Menschen beunruhigen".

Der Kurseinbruch im vergangenen Jahr wurde durch das erste von zwei bisherigen Jury-Urteilen getrieben, die den Klägern - Krebspatienten, die über lange Zeiträume Glyphosat ausgesetzt waren - jeweils 80 Millionen Dollar zugesprochen haben.

Baumann beklagte, dass solche Entscheidungen auf der Grundlage einer Feststellung der Weltgesundheitsorganisation IARC aus dem Jahr 2015 getroffen worden seien, dass Glyphosat "wahrscheinlich" Krebs verursacht.

"Wir sind nach wie vor von der Sicherheit von Glyphosat überzeugt", sagte der CEO und erinnerte sich an die weltweiten Zulassungsbehörden, die in den durch das IARC-Urteil veranlassten Überprüfungen keinen neuen Beweis dafür fanden, dass das Pestizid Krebs verursacht.

In den beiden bereits gehörten Fällen "bleiben wir optimistisch, dass die nächsthöheren Gerichte unterschiedliche Urteile fällen werden", fügte der CEO hinzu und forderte "Entscheidungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen - und nicht auf der Grundlage von Emotionen".

Der Business Case für die Fusion sei so stark wie eh und je, versicherte er den Investoren, denn die fusionierten Unternehmen seien "führende Unternehmen im chemischen und biologischen Pflanzenschutz, im konventionellen und biotechnologischen Saatgut sowie im digitalen Landbau".

Und er bekräftigte die Ziele des Konzerns - einschließlich der Bereiche Pharma und rezeptfreie Medikamente -, den Umsatz 2019 um vier Prozent auf 46 Milliarden Euro (51 Milliarden US-Dollar) zu steigern, bei einem operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen von 12,2 Milliarden Euro.

Die aktuellen Marktreaktionen seien "übertrieben" und spiegelten nicht den "wahren Wert" von Bayer wider. Bis etwa 15:00 Uhr (1300 GMT) hatte Bayer an der Frankfurter Börse rund ein Prozent zugelegt und notierte mit 61,63 Euro über dem DAX-Index der Blue-Chip-Aktie.