Ist es illegal, an Ostern zu tanzen?

Am Karfreitag, dem Beginn des viertägigen Osterwochenendes, ist es in 12 der 16 Bundesländer verboten, öffentlich zu tanzen, während die restlichen vier ein Teilverbot während des Tages durchsetzen.

Einige Länder nehmen das religiöse Fest ernster als andere, wobei Baden-Württemberg und Bayern im Süden die strengsten Länder sind. Beide Staaten haben Verbote, die am Gründonnerstag beginnen und bis Ostersamstag dauern. In Bayern ist jede Art von Musik auch in Bars verboten. Und im hessischen Frankfurt, wie wir am Donnerstag berichteten, könnten Parteiorganisatoren mit einer Geldstrafe von 1000 Euro rechnen, weil sie das Verbot missachtet haben.

Selbst in Berlin, der Partyhauptstadt Deutschlands, ist Tanzen am Karfreitag von 4 bis 21 Uhr verboten. Das mag nicht wie typische Partystunden aussehen, aber Clubbing in Berlin kann oft nach einem anderen Zeitplan funktionieren. Doch es scheint, dass die Partygäste in Berlin nichts zu befürchten haben.

Joachim Wenz, Leiter des Ordnungsamtes für Friedrichshain-Kreuzberg, einem beliebten Stadtteil des Berliner Nachtlebens, sagte 2015 im rbb: "In den letzten sechs Jahren, seit ich hier bin, waren wir nicht aktiv bei der Durchsetzung des Gesetzes."

Religiöser Hintergrund

Der Gedanke hinter den jahrzehntealten Verboten ist, dass es Respekt vor Christen geben sollte, für die Karfreitag und Ostersamstag Tage der Trauer um den Tod Jesu sind und die als "Feiertage des Schweigens" gelten.

"Am Karfreitag und Ostersonntag geht es darum, eine Pause einzulegen, um Rücksicht auf die Trauernden zu nehmen", sagte Heike Krohn, Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, dem rbb. Obwohl etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung Christen sind, ist die Religion in Deutschland regional sehr unterschiedlich.

Der Süden und der Westen sind traditionell sehr christlich, aber der Osten des Landes ist eines der am wenigsten religiösen Gebiete der Welt. Während der nationale Anteil der Nicht-Religiösen bei etwa 30 Prozent liegt, gibt es im Osten eine nicht-religiöse Mehrheit, wobei sich rund 50 Prozent als Atheisten betrachten. Dies erklärt vielleicht die lockeren Gesetze über Tanzverbote in den neuen Bundesländern wie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie der Hauptstadt.

Zeit für Reformen?

Das Verbot stieß auf Widerstand von Gruppen wie der Piratenpartei, die in den vergangenen Jahren aus Protest öffentliche Tanzveranstaltungen organisiert haben. Das machen sie auch in diesem Jahr wieder, in Stuttgart. Der baden-württembergische Wirtschaftsverband Dehoga hat das Verbot kritisiert und erklärt, dass "eine vernünftige Liberalisierung kein Angriff auf das Gesetz zum Schutz von Feiertagen wäre".

Dennoch zeigte eine Umfrage von YouGov, dass die meisten Deutschen das Tanzverbot am Karfreitag für gut halten. Inwieweit das Verbot tatsächlich an Orten wie Baden-Württemberg durchgesetzt wird, bleibt dahingestellt.