Klimakrise: Berlin wird in 30 Jahren so heiß wie Australien sein

Berlin könnte in Zukunft regelmäßig so hohe Temperaturen wie in der australischen Hauptstadt Canberra erhalten, wie neue Forschungen der ETH Zürich ergeben haben.

Bis 2050 wird die Höchsttemperatur im wärmsten Monat Berlins voraussichtlich um 6,1°C steigen, sagen Forscher. Das bedeutet, dass die deutsche Hauptstadt einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 1,8C verzeichnen wird, was das Klima dem heutigen Canberra am ähnlichsten macht.

Die australische Stadt, die zwischen sanften Hügeln neben einem See liegt, wird im Sommer sehr heiß. Die höchste jemals gemessene Temperatur lag bei mehr als 42C. Im Winter kann das kühle, gemäßigte Klima von Canberra jedoch manchmal von Schnee begleitet werden.

Zur Veranschaulichung ihrer Ergebnisse hat das Crowther Lab in der Schweiz eine globale Datenkarte erstellt, die die zukünftigen Klimabedingungen einer Stadt mit den aktuellen verknüpft. Auch in anderen deutschen Städten wird es nach Ansicht der Forscher deutlich wärmer werden.

Das Klima in Hamburg und Köln könnte in Zukunft dem von San Marino ähnlich sein, während sich das Klima in München in etwa drei Jahrzehnten eher wie in Mailand anfühlen wird.

Deutlicher Temperaturanstieg bis 2050

In der in der Wissenschaftszeitschrift Plos One veröffentlichten Studie unter der Leitung von Jean-François Bastin haben Forscher untersucht, wie sich das Klima in mehr als 520 Großstädten im Jahr 2050 entwickeln wird. Sie fanden heraus, dass Städte auf der nördlichen Hemisphäre das Klima haben werden, das Städte mehr als 998 Kilometer südlich von ihnen heute haben.

In Europa werden sich Sommer und Winter bis 2050 deutlich erwärmen, mit einem durchschnittlichen Anstieg von 3,5C bzw. 4,7C gegenüber 2000. Dies ist eine konservative Schätzung, so die Forscher. Temperaturen, Niederschläge und saisonale Schwankungen wurden berücksichtigt.

Die Forschung ergab, dass sich Madrid an ein Klima wie das in Marrakesch anpassen muss, und Stockholm wird so warm sein wie Budapest. Unterdessen sollte London im Sommer so warm sein wie Barcelona. Auf der ganzen Welt werden Städte, die sich derzeit in gemäßigten oder kalten Zonen auf der Nordhalbkugel befinden, wie weit entfernte Orte und viel näher am Äquator aussehen.

Erwartete Dürren

In den Tropen werden die Temperaturunterschiede nicht so groß sein wie anderswo. Die Klimakrise wird sich jedoch eher in Dürren und extremen Niederschlägen niederschlagen. Was das für diese Städte bedeutet, können die Forscher nicht genau vorhersagen. 

Darüber hinaus stellten sie fest, dass Megacities wie Jakarta, Singapur oder Kuala Lumpur wahrscheinlich vor tiefgreifenden Veränderungen stehen. All dies hat Folgen für die Infrastruktur in den Städten, auf die die Behörden noch nicht vorbereitet sind. So muss beispielsweise die Wasserversorgung neu überdacht werden.

Da sich die Wasserversorgungsunternehmen der Herausforderungen des Klimawandels bewusst werden, könnten in Zukunft höhere Kosten für Wasser entstehen.